Zur Lage unserer Volksgruppe

Einführung

Liebe Landsleute, um die reale Lage der Aussiedlerproblematik und unserer Volksgruppe besser zu verstehen und die Landsmannschaft und andere verschiedene Vereine und Organisationen, die sich mit unseren Landsleuten beschäftigen, mit ausreichender Information zu versorgen, führte ich 10 Jahre lang (1995-2004) wissenschaftliche Untersuchungen laut dem Komplex-  Zweck-  Forschungsprogramm unter dem Motto „Die Russlanddeutschen: Probleme, Dynamik, Tendenzen, Prognosen“ durch. Ohne Ihre Mithilfe, liebe Landsleute, ohne Mithilfe der bundesdeutschen Bevölkerung und der Russlanddeutschen in der ehemaligen Sowjetunion hätte dieses Programm nicht durchgeführt werden können.

Deshalb möchte ich mich bei allen, die mitgemacht und ihre persönliche Meinung geäußert haben, recht herzlich bedanken. Alle aktuellen und wertvollen Fragestellungen,  Empfehlungen, Vorschläge und Wünsche, die ich bekommen habe, werden von mir sorgfältig studiert und verwendet, sie finden ihren Niederschlag in meiner detaillierten Analyse, in den innovativen Konzepten, die ich der Landsmannschaft und anderen interessierten Vereinen und Organisationen unserer Volksgruppe vorzulegen beabsichtige, um die praktische Integrations- und Akzeptanzarbeit vor Ort zu aktivieren.

Die zehnjährigen Umfrageergebnisse werde ich in den nächsten Ausgaben detailliert, mit konkreten Abbildungen, Tabellen, Grafiken, Zahlen und Namen veröffentlichen. Mein heutiger Beitrag ist als eine Art Einführungsbeitrag gedacht und wird der Bundesdelegierten-Versammlung der Landsmannschaft, die am 11. -12. November in Stuttgart stattfindet, vorgelegt.

Realer Volksgruppezustand

Fast 90 % der befragten  Deutschen aus Russland und ihrer Familienmitglieder, die 5 Jahre und länger in Deutschland leben, sind der BRD dafür, dass sie sie in ihrer historischen Heimat aufgenommen hat, sehr dankbar und sie halten ihren Umzug nach Deutschland für  einen richtigen Schritt. Im Jahre 2000 waren es 97 %, im Jahr 1995– fast 99 %.

Über 80 % der Deutschen aus Russland sind nach Deutschland gekommen, um hier als Deutsche eine neue Heimat zu finden und für ihre Kinder die Grundlage für eine bessere Zukunft zu schaffen. Im Jahre 1995 waren es 87%. Insgesamt haben fast 80 % der Deutschen aus Russland die Familien- und Nationalgründe auf  den 1. Platz gestellt und sie als Hauptursache Ihrer Umsiedlung angegeben.

Auf die wirtschaftlichen, politischen und religiösen Gründe als Hauptursache der Umsiedlung haben die wenigsten gezeigt. Genaue Daten sehen Sie  in der Abbildung 1.

Fast 83 % der befragten Aussiedler und Spätaussiedler werden nie zurückkehren oder Deutschland verlassen.  Im Jahre 1995 waren es knapp 89%. Fast drei Viertel der Befragten, die 5 Jahre und länger in Deutschland leben, fühlen sich hier in Deutschland ganz oder zum Teil zu Hause – als Deutsche unter den Deutschen. Jeder 6. fühlt sich nicht ganz so wie die obenerwähnten, die meisten von dieser Gruppe  sind aber sicher, dass es sich mit der Zeit zum Positiven ändert. Über 10% fühlen sich noch fremd, fast alle von ihnen zweifeln daran, dass sie sich hier irgendwann zu Hause fühlen werden (im Jahre 1995 waren es 6,3%).

In  der ehemaligen Sowjetunion wird in den letzten Jahren vieles getan, um die Russlanddeutschen als fleißige, intelligente und arbeitswillige Leute zu behalten. Fast 100% der nicht deutschen Einwohner der GUS, die es mit den Russlanddeutschen zu tun haben, möchten, dass sie nicht wegfahren.

In Deutschland dagegen, machen einige Politiker alles, um die Deutschen aus Russland und ihre Familienmitglieder nicht hereinzulassen, sie haben es sogar geschafft, die Deutschen aus Russland in das Zuwanderungsgesetz einzubringen und somit unsere Volksgruppe den Ausländern gleichzustellen.

Die Deutschen aus Russland und ihre Familienmitglieder integrieren sich in der BRD im Vergleich zu den anderen Zuwanderungsgruppen am schnellsten, ihre Integration kann in ihrer Gesamtheit als vorbildlicher Erfolg bezeichnet werden. Laut der offiziellen Statistiken und dem Gutachten des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“ wird bewiesen, dass die Aussiedler und Spätaussiedler erheblich mehr in die deutschen Sozial-versicherungs-,- und Rentenkassen einzahlen, als sie diesen entnehmen  und somit die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden stützen.

Eine deutliche Sprache spricht auch die offizielle Statistik des Bundesverwaltungsamtes  zur Altersstruktur der Deutschen aus Russland, die belegt, dass die Aussiedler im Schnitt doppelt so jung und halb so alt sind wie die Einheimischen.

Meine zehjährigen wissenschaftlichen Untersuchungen erlauben mir zu bestätigen, dass unsere Volksgruppe – damit meine ich die Deutschen aus Russland und ihre deutschen und nichtdeutschen Familienmitglieder,  keine Belastungs- oder Problemgruppe für die deutsche Wirtschaft für Deutschland ist, sondern ein strategisch wichtiger sozialdemographischer, sozialökonomischer, sozialpolitischer und sozialkultureller Gewinn.

Die zehnjährigen Forschungsergebnisse belegen auch so einen wichtigen Faktor, dass die Deutschen aus Russland und ihre Familienmitglieder in ihrer  Mehrheit verschiedene Arbeitsstellen annehmen, die unter ihrer mitgebrachten und hier erworbenen Qualifikation liegen. Aufgrund ihrer Intelligenz, Mobilität, Fleißigkeit und Arbeitswilligkeit haben sie in erheblichem Maße zur Sanierung strukturschwacher Gebiete beigetragen. Die, die 2 Jahre und länger in Deutschland leben, haben eine niedrigere Arbeitslosenquote als die, im Bundesdurchschnitt liegt. Genaue Daten sehen Sie auf den Tabellen 1, 2 und 3.

Tabelle 1.   
Arbeitslose Spätaussiedler
 Jahresdurchschnitt    insgesamt 
1995                                        138.266   
1996                                        143.823   
1997                                        150.970  
1998                                       126.035  
1999                                         99.659  
2000                                        77.377  
2001                                        64.770  
2002                                        59.367     
2003                                        58.224
 2004                                       55.500
Quelle: Bundesanstalt für Arbeit,
Nürnberg, 2005
Tabelle 2.                                                                     Tabelle 3.
Arbeitslosenquoten Jahresdurchschnitte      ALQ Aus- und Spätaussiedler (AuS),
(ALQ bezogen auf abhängige Zivile                  die 2 Jahre u. länger in Deutschland 
  Erwerbspersonen)                                                leben.  (Stat. ALQ  f. AuS gibt es keine.)
Jahr   BRD   West  Ost  Ausländ.                                  Aussiedler und Spätaussiedler 
1995     10,4     9,3      14,9    16,6                                   9,5
1996     11,5     10,1    16,7     18,9                                    11,2
1997     12,7     11,0    19,5     20,4                                   10,9
1998     12,3     10,5    19,5    20,3                                   11,9
1999     11,7       9,9    19,0    19,2                                    10,2
2000     10,7       8,7    18,8    17,3                                   9,1
2001     10,3       8,3    18,9    17,4                                   9,8
2002     10,8       8,7    19,5    19,1                                   10,4
2003     11,6       9,3    20,1    20,4                                  10,7
2004     11,7       9,4     20,1   20,5                                  11,4 
Quelle: Bundesanstalt für                                           Quelle: Forschungsergebnisse Dr. D.Dorsch,
Arbeit, Nürnberg, 2005                                               1995-2004.

Unsere Landsleute sind nicht nur im wirtschaftlichen Bereich vorne. Sie zeichnen sich auch auf künstlerischem und sportlichem Sektor durch eine weit überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit aus.

Ungeachtet alledem wird der breiten deutschen Öffentlichkeit das realitätsgerechte Bild unserer Volksgruppe nicht vermittelt. Für die Öffentlichkeit ist das ein Tabuthema. Berichtet wird nur über die einzelnen negativen und kriminellen Fälle. Die fehlende Aufklärungsarbeit hat dazu beigetragen, dass die deutschen Spätaussiedler jetzt in einen Topf mit verschiedenen Zuwanderungsgruppen geworfen sind. Obwohl einige Politiker immer noch von einem breit geöffneten Tor für die Deutschen aus Russland reden, wird das Tor für die Deutschen aus Russland praktisch zugemacht

Aber so darf das nicht bleiben, man muss etwas tun, um die Gerechtigkeit wiederherzustellen. Die Zusammenführung der Integrationskonzepte und der Integrationsmittel für deutsche Spätaussiedler und die Konzepte für verschiedene Zuwanderungsgruppen von Ausländern in einem „Topf“ gehört zu der falschen Aussiedlernpolitik, weil  die Unterschiede zwischen diesen Gruppen all zu groß sind, und das betrifft nicht nur ihre Kultur, Religion und  Mentalität.

Im Unterschied zu den Zuwandergruppen kommen die Deutschen aus Russland nach Deutschland, um hier in ihrem historischen Zuhause zu leben. Das ist doch die Heimat ihrer Vorfahren, sie haben keine andere Heimat  mehr.

Wissen denn die Politiker nicht, dass im Jahre 1941 den Deutschen aus Russland alles weggenommen wurde und sie als „Spione“ und „Faschisten“  unter unmenschlichen Bedienungen und brutaler Gewalt in Viehwaggons  nach Sibirien, Mittelasien und Kasachstan deportiert wurden. Ab Ende 1941 und dann im Jahre 1942 wurden alle Männer zwischen 15 und 60 Jahren und Frauen, die keine Kinder unter 3 Jahren hatten, in die sowjetischen Konzentrations- Strafgefangenenlager verschleppt.

Unter diesen Bedingungen ist fast die Hälfte der Russlanddeutschen  umgekommen oder umgebracht worden. Die Russlanddeutschen mussten dazu noch eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichteten, nie wieder in ihre Heimat zurückzukehren und keine Ansprüche auf ihr konfisziertes Eigentum zu erheben. Und das gilt bis heute noch!!! Das alles geschah nur deswegen, weil sie Deutsche waren. Ist das wirklich für die  Politiker schwer zu verstehen oder sind sie dafür überqualifiziert (wie es oft unseren Akademikern gesagt wird, wenn sie eine Arbeitsstelle entsprechend ihrer mitgebrachten Qualifikation annehmen möchten)?

Es darf aber nicht vergessen werden, dass die Integration nur dann gelingen kann, wenn  sie nach differenzierten Konzepten für bestimmte größere Zuwanderungsgruppen, entsprechend ihrer Kultur, Religion, Mentalität und mit Beteiligung ihrer eigenen Vertreter durchgeführt wird. Eine Multi-Kulti-Integration kann man von Anfang an als gescheitert bezeichnen: Langfristig gesehen, kann so eine Integration nur zu sozialen Konflikten führen.

Angefangen hat die Hetze gegen unsere Volksgruppe der ehemalige  SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine, der vor 15 Jahren erklärt hat, dass ihm ein verfolgter Afrikaner lieber sei  als ein bedrängter Russlanddeutscher aus Kasachstan. Den Höhepunkt hat die Hetze dank dem Nachfolger von Oskar Lafontaine, dem Altbundeskanzler Gerhard Schröder, erreicht, der die Deutschen aus Russland in der Wahlfernsehshow (2002) als Problemgruppe bezeichnet hat.

Nach  dieser Wahlfernsehshow begann in vielen bundesdeutschen Massenmedien eine zielgerichtete Volkshetze, die nicht wenig dazu beigetragen hat, dass die Akzeptanz der Spätaussiedler in den Jahren 2003-2004 den niedrigsten Stand erreicht hat und die Arbeitslosenquoten sich  ziemlich erhöht haben (s. Tabelle 3).

Das Schlimmste und das Traurigste, was ich während meiner Forschungsarbeit für mich entdeckt habe, ist die ständig senkende Zahl unserer Landsleute, die positiv denken oder sich positiv einstellen können. Unter den fast  2000 Beantwortenden auf die entsprechenden Fragen in den Jahren 2002-2004 war mehr als jeder Dritte negativ eingestellt, sie sahen keinen Ausweg aus der sozial-politischen Krise, in der unsere Volksgruppe steckt.

Hauptursache der Volksgruppenkrise

Über zwei Drittel aller befragten Aussiedler und Spätaussiedler haben ausgesagt, dass wir selbst und unsere Vertreter, die wir wählen, daran schuld wären, dass unsere Volksgruppe sich in der heutigen sozial-politischen Krise befindet. Eine falsche Aussiedlerpolitik und das negative Bild von den Deutschen aus Russland seien wegen unserer eigenen sozial- politischen Passivität und der Untätigkeit unserer Vertreter, d.h. der Führung unserer Volksgruppe – unserer Landsmannschaft. Die Landsmannschaft  aber – das sind wir alle, die  Führung dieser Landsmannschaft haben wir doch selbst gewählt.

Das ist traurig, aber wahr, dass unsere Volksgruppe bis heute noch keine zukunftsorientierten Konzepte, keine zukunftsorientierte politische Strategie hat, – und dem endsprechend – keine politische Lobby. Über 50 Jahre funktioniert die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.,  aber bis heute hat sie keine öffentliche zweisprachige Zeitung, in der  man eine breite Aufklärungsarbeit oder eine Diskussion führen könnte.

Stattdessen begnügt sich die Führung der Landsmannschaft mit dem Verreinsheft „VadW“, das vorwiegend die Mitglieder  der Landsmannschaft früherer Generationen bestellen.

Also: die wichtigsten Ursachen für die entstandene schwierige Situation unserer Volksgruppe sind:

1.die soziale und politische Passivität (Teilnahmslosigkeit) der meisten Spataussiedler, die Untätigkeit und Mangel an Begabung und Fähigkeit bei unseren Volksvertretern, und zwar: bei der  Führung unserer Volksgruppe, der Führung unserer Landsmannschaft;

2.eine falsche Aussiedlerpolitik, die leider auch unter der neuen schwarz-roten Regierung weiter betrieben wird. Statt eine nationale, wissenschaftlich begründete breite Aufklärungsarbeit durchzuführen, verbreiten die meisten bundesdeutschen Massenmedien zielgerichtet in bezug auf die Russlanddeutschen Dessinformationen übelster Art.

3.die fehlenden innovativen sozialen Integrationstechnologien- und Mechanismen, mit deren Hilfe man die Integrations- und  Akzeptanzarbeit auf allen Ebenen reformieren und umstrukturieren  kann, um mit weniger Geld mehr zu erreichen. 

Was kann, soll und muss getan werden

Um die heutige traurige Situation zu ändern, sollte man die ganze Integrations- Akzeptanz- und Aufklärungsarbeit auf allen Ebenen in der Bundesrepublik Deutschland  erneuern. Um das zu erreichen, müssen wir aber mit uns selbst anfangen.

Zuallererst muss man das ganze intellektuelle Eigentum der Volksgruppe einschalten und alle ihre Kräfte vor Ort aktivieren, um die Innovationsarbeit zu beschleunigen. Das heißt – jedem Spätaussiedler muss vor Ort geholfen werden, sich selbst und seine Familienangehörigen so zu motivierten, dass sie sich auf der Grundlage einer positiven Einstellung organisieren. Und das ist enorm wichtig.

Zweitens müssen die Mitglieder unserer Volksgruppe sich  selbst organisieren und vereinigen, um im Namen aller mit eigener Stimme sprechen zu können.

Drittens muss die Führung der Volksgruppe eine richtig ausgewogene Politik und breite Aufklärungsarbeit mit der Unterstützung von den Heimatvertriebenen, den einheimischen Politikern und den deutschen Massenmedien, die uns sympathisieren,  betreiben. Niemand anderer kann und wird das Obengenannte tun, niemand anderer hat das Interesse, das zu tun. Die neuentstandenen Probleme kann man mit verschiedenen innovativen Methoden lösen. Aber am besten wäre es, wie die Erfahrung zeigt, sie durch die Stärkung der Landsmannschaft zu lösen. Alle anderen Wege sind weniger effektiv und benötigen mehr Zeit, die wir nicht mehr haben.

Aber um stark zu werden, muss die Landsmannschaft bereit sein, sich selbst zu erneuern und zu innovieren, sonst machen die meisten von unseren Leuten nicht mit und die Landsmannschaft wird auch weiterhin eine untätige Landsmannschaft sein, der die Spätaussiedler fern bleiben, wie es heute der Fall ist. Damit die Landsmannschaft, ihre Autorität und ihren Einfluss unter unseren Landsleuten zurückgewinnt, muss sie sich radikal ändern und zwar:

a/ die Mitgliedschaft in der Landsmannschaft sollte nicht mit dem Bezug  eines Druckerzeugnisses verbunden, sondern auf der solidarischen Grundlage aufgebaut werden. Z.B. wenn der Mitgliedsbeitrag 1,00 € im Monat pro Familie  wäre, also 12, € im Jahr, von denen 10,00 €  für örtliche Integrations-, Akzeptanzarbeit ausgegeben werden könnten, dann hätten wir heute:

  1. die meisten Aussiedler und Spätaussiedler in der Landsmannschaft (Hunderttausende);
  2. auf allen Ebenen starke landsmannschaftliche Ortsgruppen;
  3. eine starke, moderne Landsmannschaft;
  4. eine ganz andere sozial – politische Situation;

b/ eine kollektive Mitgliedschaft zulassen und sie ein-, auf- und ausbauen;

c/ ein modernes, Wabenverwaltungssystem bundesweit einführen und aufbauen (Selbständigkeit und Verantwortung der Gliederungen der Landsmannschaft verstärken, sie ausbilden und ihnen helfen, selbständig zu werden, ihnen die Möglichkeit einräumen, sich in das Vereinsregister vor Ort eintragen zu lassen);

d/ eine zweisprachige (neben VadW) Zeitung der Landsmannschaft  herausgeben;

e/ vor Ort (auf allen Ebenen) ein Aussiedlerintegrationsrat der Deutschen aus Russland gründen, in dem die Vertreter aller Spätaussiedlernintegrationseinrichtungen dabei sein können. Das Hauptziel des Aussiedlerintegrationsrates besteht darin, die Integrations-, Akzeptanzarbeit vor Ort zu koordinieren. Natürlich behält jede Spätaussiedlernintegrationseinrichtung ihre Selbständigkeit, Unabhängigkeit und kann mit ihrer Tätigkeit in der Koordinationsarbeit aktiv dabei sein;

f/ ein Bundesintegrationsrat der Deutschen aus Russland bei der Landsmannschaft gründen, der folgende Ausschüsse der Deutschen aus Russland einschliessen sollte:
–    Politiker und Abgeordnete;
–    Juristen;
–    Wissenschaftler und Akademiker;
–    Unternehmer;
–    Journalisten.
Es wäre klug, und das erfordert die Innovierung von unserer Landsmannschaft, dass ein optimaler, wissenschaftlich begründeter nationaler Konzeptentwurf  „Aufnahme und Eingliederung der deutschen aus Russland in ihrer historischen Heimat“ erarbeitet und der Bundesregierung vorlegt wird. Eigentlich ist das in der ganzen Welt so üblich, wenn ein großer Teil des Volkes heimkehrt. Man darf nicht sein eigenes Volk so einfach in den Kulti-Multi-Topf hineinschmeißen.

Aber allein die Innovierung der Landsmannschaft reicht nicht aus. Wenn man wirklich der Volksgruppe behilflich sein will, sie so schnell wie möglich in ihrer historischen Heimat zu integrieren, dann muss sich auch das Aussiedlernbeauftragtensystem innovieren und umstrukturieren und zwar nach dem System 1 zu 1. Das bedeutet, das vor Ort ein Aussiedlernbeauftragter und ein Stellvertreter ausschließlich für die Aussiedler- und Heimatvertriebenenfragen (amtlich oder ehrenamtlich – je nach Bedarf und Möglichkeit) eingestellt wird. Eine von den zwei Personen muss unbedingt von den Aussiedlern oder Heimatvertriebenen gestellt werde.

Der örtliche Aussiedlernbeauftragte und der Vertreter des örtlichen Aussiedlerintegrationsrats könnten zusammen alle Integrations-, Akzeptanzfragen  vor Ort lösen.

Schlussfolgerung

Meine langfristigen Forschungsergebnisse belegen, dass alle obengenannten Probleme lösbar sind.

Insgesamt besitzt unsere Volksgruppe eine große politische Kraft. Von den fast 2,5 Millionen    Deutschen aus Russland und ihren Familienmitgliedern sind etwa 70% über 18 Jahre alt, also wahlberechtigt. Hinzu kann unsere Volksgruppe auch mit Sympathisantenstimmen rechnen.

Wenn wir uns organisieren und vereinigen, dann könnten wir vieles erreichen und der breiten deutschen Öffentlichkeit ein realitätsgerechtes Bild unserer Volksgruppe vermitteln.

Nur ein Beispiel. Nach  der obenerwähnten  Wahlfernsehshow Schröder – Stoiber (2002), in der der Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die deutschen Spätaussiedler als Problemgruppe bezeichnet hat und sein Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) keinen Wiederspruch gegen diese Äußerung  erhob (d.h. er war damit einverstanden), sind  von 20 bis 30 Tausend Deutsche aus Russland nicht zur Wahl gegangen. Sie sahen keinen Unterschied zwischen diesen Politikern. Gerade ein paar Tausend Stimmen haben dem Herausforderer gefehlt, um  Bundeskanzler zu werden.

Dieses Beispiel zeigt, dass wir vieles tun könnten, um uns als Deutsche mit den einheimischen Politikern besser zu verstehen. Wir sind ein Volk, wir sind in unsere historische Heimat gekommen, um hier in unserem Zuhause als gleichberechtigte Deutsche zu leben. Wir wollen keinen Kampf für  soziale Privilegien oder was Besonderes anfangen, das ist nicht unsere Aufgabe. Wir möchten nur das tun und tun es auch, was uns und Deutschland gut tut.

Dr. habil. Daniel Dorsch
Berlin






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