KONGRESS DER RUSSLANDDEUTSCHEN IN DEUTSCHLAND

Zum 30-jährigen Jubiläum der Vereinigung „WIEDERGEBURT“
(Berlin, 28.-29.04.2018)

Im April 1988 machte eine Initiativgruppe der Deutschen in der Sowjetunion den Kreml sowie die breite Öffentlichkeit des Landes erneut auf die Lage ihrer entrechteten Landsleute aufmerksam und forderte ihre vollständige Rehabilitation. Für die Russlanddeutschen war diese Forderung ein Zeichen, ihr Ringen um die Wiederherstellung ihrer Rechte zu intensivieren.

Diese aus dreizehn Personen bestehende Gruppe stellte sich bewusst in die Tradition der beiden Delegationen ihrer Landsleute, die den Kreml bereits 1965 um die Rehabilitation der Deutschen in der Sowjetunion angegangen hatten. Auch diese Delegation stieß auf taube Ohren. Die Delegationsmitglieder beschlossen danach, ein Organisationskomitee zu gründen, um die Rehabilitationsbewegung der Deutschen in der Sowjetunion zu koordinieren. Das war das wichtigste Ergebnis der 3. Delegation

Im Sommer 1988 traf in Moskau die 4 .Delegation ein, die sechsundfünfzig Personen zählte und nahezu einen Monat lang tätig war. Die Delegationsmitglieder setzten Eingaben an die Behörden auf und machten ihre Fordrungen in Regierungsorganen und Massenmedien geltend. Im Oktober, wurde dann die 5. Delegation nach Moskau entsandt, die schon aus 105 Personen bestand.

Die Tätigkeit dieser Delegationen sowie die Aktivitäten vor Ort rückten die bisher tabuisierten Probleme der Deutschen in der Sowjetunion ins Licht der Öffentlichkeit. Im Zuge der so genannten „Perestroika“ kam die lang ersehnte Hoffnung auf die „Wiederherstellung der Gerechtigkeit“ wieder hoch. Die diskriminierten und zu einer Randgruppe der Gesellschaft degradierten Russlanddeutschen wachten auf.

Zu Beginn des Jahres 1989 erreichte die Rehabilitationsbewegung eine Phase, die die Gründung einer landesweiten Organisation auf den Plan rief. Und im März dieses Jahres wurde  auf der Gründungskonferenz  in Moskau die Allunionsgesellschaft der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ (Всесоюзное общество советских немцев «Возрождение») gegründet. In kurzer Zeit stieg die Zahl der „Wiedergeburts“-Mitglieder, deren Grundorganisationen sich in den meisten Großstädten und Regionen der Sowjetunion etablierten, auf mehrere Zehntausende.

Um der unterdruckten Volksgruppe irgendwie entgegenzukommen, setzte der Oberste Sowjet (das Parlament) der SU im Frühling 1989 gezwungenermaßen einen Ausschuss (Kommission) „für die Angelegenheiten der Sowjetdeutschen“ ein. Danach wurde in dieser Angelegenheit im Dezember 1989 eine „Regierungssonderkommission“ ins Leben gerufen. stoppen

Doch der Rehabilitationsprozess, der so hoffnungsvoll eingesetzt hatte, geriet zu Beginn der 1990er Jahre ins Stocken und wurde schließlich gänzlich gestoppt, was sicherlich auf den  Einfluss reaktionärer russisch-nationalistischer Kräfte zurückzuführen ist. Der Regierungskurs, der am 08.01.1991 in der unerhörten Aussage des Präsidenten Russlands B. Jelzin gipfelte, führte zur maßlosen Enttäuschung der Deutschen in der Sowjetunion. Jelzin erklärte nämlich, dass man den Deutschen in der Sowjetunion nur das verseuchte Raketenversuchsgelände bei Wolgograd (ehemaliges Stalingrad) zu Verfügung stellen könne. Diese Aussage, die der alkoholisierte Präsident auf einer antideutschen Kundgebung gemacht hatte, war zweifellos eine bodenlose Frechheit, zieht man in Betracht, dass sie auf einer antideutschen Kundgebung in Bezug auf eine beraubte und jahrzehntelang diskriminierte Volksgruppe gemacht worden war. Und so wurde sie von den Deutschen in der Sowjetunion auch aufgenommen. Der Traum von der Wiederherstellung der Autonomie war aus. Die Russlanddeutschen, die noch auf die „Wiederherstellung der Gerechtigkeit“ gehofft hatten, fingen an, ihre Koffer zu packen, um das Land, für das ihre Vorfahren jahrhundertelang so viel getan hatten, für immer zu verlassen.

Die Rehabilitationsbewegung der Deutschen in Russland hatte einen Massencharakter. Neben den Funktionsträgern der „Widergeburt“, die sich ehrenamtlich und selbstlos für die Belange ihrer Landsleute einsetzten, beteiligten sich zehntausende  von Menschen an den Aktivitäten der „Wiedergeburt“ in allen Republiken der Sowjetunion. Besonders dramatisch gestaltete sich der Einsatz von fast eintausend bevollmächtigten Delegierten des 1. Allunionskongresses der Sowjetunion (1991), der gegen den Willen der Landesregierung veranstaltet wurde. Bemerkenswert sind auch der 2. und 3. Kongresse der Russlanddeutschen der GUS-Länder (1992/93) und der 1. Allgemeine Kongresses der Deutschen der Russischen Föderation (1993).

Zu den wichtigsten Ergebnissen der „Wiedergeburt“-Bewegung in der Sowjetunion und den GUS-Nachfolgestaaten gehören:

  1. Die Auslösung des organisierten Protests der Russlanddeutschen gegen die schleichende Auslöschung der deutschen Volksgruppe, die gezielt auf einem riesengroßen Territorium zerstreut wurde. Verinnerlichung der Tatsache, dass sich die Russlanddeutschen als Deutsche nur in ihren angestammten Siedlungsgebieten erhalten können oder in ihrer historischen Heimat – Deutschland.
  2. Konsolidierung der Russlanddeutschen in der Bewegung „Wiedergeburt“, die über hundert Tausend Mitglieder hatte und sich als geschlossene Kraft für die Interessen der Volksgruppe einsetzte.
  3. Die politische Einflussnahme auf die Verabschiedung mehrerer wichtiger Erlasse und Gesetze durch das Parlament und den Präsidenten der Russischen Föderation in Bezug auf die Rehabilitation der deutschen Volksgruppe in der Sowjetunion.
  4. Die Vorbereitung und Veranstaltung des I. Außerordentlichen Kongresses der Deutschen in der Sowjetunion sowie weiterer gesamtnationaler Kongresse in den GUS-Staaten und der Russischen Föderation, auf denen der demokratische Wille der unterdruckten Volksgruppe zum Ausdruck gebracht wurde.
  5. Der Einsatz dafür, dass das Recht auf die Einreise in die Bundesrepublik nicht nur im Zuge der Familienzusammenführung erfolgen darf, wie das in den 1980er Jahren praktiziert wurde, sondern auch auf jede Person deutscher Volkszugehörigkeit ausgedehnt wird.
  6. Das Initiieren und der Beitrag zur Bildung 1992 von zwischenstaatlichen Regierungskommissionen, nämlich der Deutsch-Russischen, Deutsch-Kasachischen, Deutsch-Kirgisischen, Deutsch-Ukrainischen u. a., die sich um die Belange der deutschen Minderheiten in den ehemaligen Sowjetrepubliken kümmern sollten. Diese Kommissionen sind bis heute tätig und kümmern sich um die aktuellen Probleme der Deutschen in Russland vor Ort (darunter in zwei deutschen Landkreisen in Westsibirien). Außerdem sind in den Nachfolgestaaten der UdSSR ca. fünfhundert deutsche Begegnungszentren ins Leben gerufen worden. Es werden verschiedene Projekte im kulturellen Bereich betreut. Hilfsbedürftigen deutschen Rentnern und ihren Familien wird Sozialhilfe gewährt u.a.m.

Die meisten ehemaligen „Wiedergeburt“-Mitglieder  sind längst in Deutschland zu Hause und haben sich in die Berufswelt der Republik integriert, auch wenn sie des Öfteren Berufstätigkeiten aufnehmen mussten, die weit unter ihrer Qualifikation lagen.  Im Laufe der vergangenen 25-30 Jahre ist hier schon nahezu die Hälfte der „Wiedergeburt“-Mitglieder verstorben. Mit ihnen verlieren wir auch das Wissen von ihrem selbstlosen Einsatz für die Rehabilitation unserer Volksgruppe, denn andere Informationsquellen darüber sind bisher kaum zu finden. Wir haben daher zu unserer Jubiläumsfeier viele jüngere Landsleute eingeladen, damit sie neue Impulse bekommen, um sich später mit der Vergangenheit und Geschichte unserer Volksgruppe, zu der auch die „Wiedergeburt“-Bewegung gehört, eingehender auseinanderzusetzen. Vor diesem Hintergrund ist das 3. Treffen der Veteranen, die ihre Erfahrungen an die Vertreter der jüngeren Generation weiter geben können, besonders wichtig, Die Durchführung der feierlichen Veranstaltung ist in den Räumlichkeiten des Deutschen Bundestages vorgesehen. Es wird dabei mit ca. 50 Veteranen im Alter ab 65 Jahren und bis zu 250 weiteren Teilnehmern gerechnet.

Als Gäste sind der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten der Bundesregierung und Vertreter verschiedener Parteien vorgesehen. Auch die Beteiligung der Vertreter der Botschaften Russlands, Kasachstans, Kirgisiens und der Ukraine  würden wir begrüßen.

Selbstverständlich wird auch mit der Beteiligung der Verbände unserer Landsleute aus den Nachfolgestaaten der UdSSR gerechnet. Das gilt insbesondere für Vereine, die an den Grundprinzipien der „Wiedergeburt“ festhalten.

Das Organisationskomitee des Kongresses, das bereits das 2. Treffen der „Wiedergeburt“-Veteranen gestaltet hatte, arbeitet jetzt an der Tagesordnung und erörtert Einzelheiten der Programm-Inhalte. Im allgemeinen wird das Programm in drei Teile gegliedert, und zwar:

– Im 1. Teil sollen die  „Wiedergeburt“ und ihre Funktionsträger geehrt werden. (Begrüßung der „Wiedergeburt“-Nachfolgeorganisationen sowie der Veteranen. der Bewegung).

– Der 2. Teil soll der Vorstellung von verschiedenen Vereinen, Gruppen und Personen gewidmet sein, die sich an diesem Kongress beteiligen und bereit wären, sich für die aktuellen Interessen der Russlanddeutschen einzusetzen. Hier wären die Mitteilungen der Mitglieder des Bundestages, W. Herdt und A. Friesen, über ihre Initiativen in Bezug auf die Russlanddeutschen erwünscht, gefolgt von Meinungsäußerungen der Kongressteilnehmer dazu.

– 3. Teil. Kulturprogramm und Imbiss.

Organisationskomitee des Jubiläumskongresses der „Wiedergeburt“
Angenommen am 11.02.2018.

 






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