AN VOLKSRAT DER RUSSLNANDDEUTSCHEN IN DEUTSCHLAND

Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Volksratsmitglieder!

Wie Sie wissen, haben wir im Dezember 2018 das Memorandum über die gemeinsame Tätigkeit des Internationalen Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen (Moskau) und des Volksrates der Russlanddeutschen in Deutschland (Berlin) unterzeichnet.

Bei der Umsetzung unserer Vereinbarungen sehen wir uns in der Pflicht, die Volksratsmitglieder über unsere grundsätzlichen Positionen zu informieren; würde man sich darüber hinwegsetzen wollen, käme keine vertrauensvolle und gedeihliche beidseitige Zusammenarbeit im Sinne der Umsetzung der im Memorandum festgehaltenen Vereinbarungen zustande.

Seit mehr als 25 Jahren bemühen wir uns um die Rehabilitation des russlanddeutschen Volkes in Russland gemäß 1991 verabschiedetem Gesetz der RSFSR «Über die Rehabilitation der repressierten Völker». Diese zielgerichtete Arbeit führen wir bis heute in diversen, in Russland genehmigten Formen unserer gesellschaftlichen Selbstorganisation in Übereinstimmung mit geltender Gesetzgebung durch. Wir haben alles Mögliche unternommen, um gemeinsam mit den staatlichen Behörden einen gangbaren Weg zur Rehabilitation unseres Volkes zu finden, wie es im direkt wirkenden Gesetz vorgesehen ist. Aber die reale russische Wirklichkeit entpuppte sich, wie immer, als eine unwiderstehliche Gewalt, die uns nicht einmal einen Schritt in Richtung auf unser Ziel machen ließ. Änderungen in der Zusammensetzung der russischen Regierung, in der staatlichen Nationalitätenpolitik Russlands, internationale Sanktionen und vieles andere mehr versetzten uns in eine solche Lage, in der wir gezwungen wurden, alles von vorne anzufangen.

Die Geschichte der deutschen gesellschaftlichen Bewegung in Russland stellt eine unendliche Reihe von Verrätereien, die von russlanddeutschen Aktivisten bzw. gesellschaftlich tätigen Menschen begangen wurden, dar. Es waren Verrätereien  an den legitimen Interessen und Rechten des russlanddeutschen Volkes im Ringen um dessen Rehabilitation und Wiederherstellung seines guten Rufs. Dies wurde insbesondere in den 80er – 90er Jahren deutlich, als sich nach den gesamtnationalen Kongressen, wie es schien, der Weg abgezeichnet hatte, den Willen unseres Volkes durchzusetzen, der auf diesen drei Kongressen auf demokratische Art und Weise zum Ausdruck gebracht wurde. Durch Skandale und Verstimmungen in der All-Unionsgesellschaft der Deutschen «Wiedergeburt», die von den autoritären Staatsbeamten künstlich ausgelöst wurden, wurde sie gespaltet, so dass später ihre Existenz beendet wurde, nicht zuletzt wegen des Zerfalls der UdSSR. Schade, aber die für die Lösung des Rehabilitationsproblems des russlanddeutschen Volkes günstige Zeit ging durch den offensichtlichen Verrat der Aktivisten verloren, die sich durch Versprechungen der Staatsbediensteten über die finanzielle Unterstützung ihrer der «Wiedergeburt» nicht wohl gesinnten Einrichtungen blenden ließen. Danach begann eine langwierige Etappe der Herausbildung der Zivilgesellschaft in der sich erneuernden Russischen Föderation. Die neuen Rechtsgrundlagen wurden geschaffen und verbessert; neue gesellschaftliche Organisationen der Russlanddeutschen in Russland haben sich etabliert, die sich Ziele setzten und den Herausforderungen stellten. Als wir uns davon überzeugt haben, dass die autoritären Staatsbeamten keine Möglichkeit ungenutzt lassen, unserem Volk seine gerechte Rehabilitation zu verweigern, haben wir uns entschlossen, alle in Russland tätigen gesellschaftlichen Organisationen der Russlanddeutschen zu vereinen, die im Rahmen des Föderalen Koordinationsrates den Rang gesamtrussischer und internationaler Einrichtungen haben, um eine einheitliche Plattform und ein einheitliches Programm zur Lösung des Rehabilitationsproblems unseres Volkes in Russland herauszuarbeiten.  Der Föderale Koordinationsrat wurde im Oktober 2003 durch die Föderale Nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen (Präsident V. Baumgertner) und den All-Russischen Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen «Gemeinschaft» (Vorsitzender – I. Bekker) gegründet. Diese Gründer vereinten die gesamte Community der Russlanddeutschen, darunter auch die Assoziation unter dem Namen «Internationaler Verband der deutschen Kultur» (Vorsitzender – G. Martens), die in die Assoziation «Gemeinschaft» integriert war. Aber, wie schon immer, verweigerte G. Martens die Teilnahme an den Aktivitäten des Föderalen Koordinationsrates auf einer gemeinsamen Grundlage, d.h. im Wege der Vertretung durch die Assoziation «Gemeinschaft» im Föderalen Koordinationsrat. Seine Forderung lautete, sein Internationaler Verband der deutschen Kultur solle nun zum dritten direkten Mitbegründer des Föderalen Koordinationsrates erklärt werden. Seine Forderung konnten natürlich nicht berücksichtigt werden, weil dadurch das Hauptprinzip und der Gründerrang verletzt wären. In der Geschäftsführung des Föderalen Koordinationsrates wurde der Status der Kopräsidentschaft angenommen. Als Kopräsidenten des Föderalen Koordinationsrates fungierten bestimmungsgemäß Leiter der Organisationsgründer (V. Baumgertner und I. Bekker. Nach Ablauf des Jahres 2005 wurde Bekker durch I. Keller abgelöst).

Von den breit gefächerten Aktivitäten des Föderalen Koordinationsrates in den Jahren 2004 – 2009 wurde praktisch die ganze deutsche Öffentlichkeit, inkl. deutscher Munizipalrayons, erfasst. Zum wiederholten Mal haben wir sachliche Kontakte zu den Profilausschüssen der Staatsduma, des Föderationsrates hergestellt. In die Regierungskommission über die Angelegenheiten der Russlanddeutschen wurde V. Baumgertner, Präsident der Föderalen Nationalen Kulturautonomie der Russlanddeutschen, aufgenommen. Dadurch bot sich die Möglichkeit, die Tätigkeit der Regierungskommission auf den laufenden Sitzungen real einschätzen und objektiv bewerten zu können. Die Kovorsitzenden des Föderalen Koordinationsrates wurden gleichfalls in alle gesellschaftlichen Räte bei den Föderalen Behörden aufgenommen, die sich u.a. auch um die Umsetzung der staatlichen Nationalitätenpolitik kümmern. Zu jenem Zeitpunkt bestand der Föderale Koordinationsrat auf der Verabschiedung eines Sondergesetzes zur Rehabilitation der Russlanddeutschen gemäß Gesetz von 1991 «Über die Rehabilitation der repressierten Völker» sowie auf der Vorbereitung und Durchführung des gesamtnationalen Kongresses der Deutschen Russlands.

Aber die Staatsdiener der Russischen Föderation und die der Bundesrepublik Deutschland witterten in einer solchen Einheit der russlanddeutschen Öffentlichkeit eine unerwünschte und gefährliche Entwicklung (Beide Seiten wollen stillschweigend keine Wiederherstellung der russlanddeutschen Staatlichkeit) und sie haben sich entschlossen, sie zu Fall zu bringen. Um dieses Ziel erreichen zu können, haben sie den durch sein verräterisches Wesen bekannten G. Martens herangezogen, der auch politisch nicht selbständig ist. Dazu wurden ihm Verwaltungsressourcen von der russischen Seite und die finanzielle Unterstützung von der deutschen Seite gewährt. Ihre Motivation und Absichten zur Vernichtung der erreichten Einheit der russlanddeutschen Öffentlichkeit im Rahmen des Föderalen Koordinationsrates fielen zusammen. Das verräterische Wesen von Martens, der ausschließlich Geschäftsinteressen an Russlanddeutschen hat, lässt sich von dem Zeitpunkt an verfolgen, als er auf Beschluss der Gesellschaft «Wiedergeburt» die Leitung des Anfang der 90er Jahre gegründeten Internationales Verbandes der deutschen Kultur übernommen hat. Von diesem Zeitpunkt an arbeitete er nur für sich allein; stets führte er separate Verhandlungen mit deutschen und russischen Staatsbediensteten durch, um sich an die Spitze der deutschen gesellschaftlichen Bewegung in Russland zu drängen. Zwischen 2009 und 2014 haben sie mit verräterischer Hilfe von G. Martens den gesamten gesellschaftlichen Raum der Russlanddeutschen von den ihnen unliebsamen Organisationen im Föderalen Koordinationsrat tatsächlich «gesäubert». 2009 wurde die Föderale Nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen in Heuschreckenmanier und mit deutschen Finanzspritzen gesattelt und G. Martens – dem übereifrigen Gegner der legitimen Rehabilitation des russlanddeutschen Volkes –  ausliefert. Den Gerichtsprozess wegen der feindlichen Übernahme der Föderalen Nationalen Kulturautonomie der Russlanddeutschen haben wir gewonnen. Jedoch haben recht hohe staatliche Würdenträger sofort eingegriffen und nach Austausch von zwei Richtern am Stück haben sie sich schließlich durchgesetzt. 2012 wurde die All-Russische Assoziation «Gemeinschaft» auf Beschluss des Obersten Rates der RF nach formalen Merkmalen liquidiert. Somit musste auch der Föderale Koordinationsrat seine Tätigkeit einstellen. 2014 wurde auf Beschluss des Obersten Rates der RF gleichfalls nach formalen Merkmalen auch der 2009 gegründete Internationale Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen liquidiert und 2017 folgte ihm der staatlich-gesellschaftliche Fonds «Russlanddeutsche». Und auch hier zeigte sich das verräterische Innere von G. Martens. Er hatte sein persönliches Interesse an der Liquidation des obengenannten Mitbegründerfonds ZАО «Wolga-Raswitie», weil er darauf erpicht war, die erheblichen Restgelder dieser geschlossenen Aktiengesellschaft nach ihrer Liquidierung unter den Nagel zu reißen. Jeder Russlanddeutsche sieht ein, dass diese ganze «Säuberungsaktion» zur Rache und Bestrafung für die organisationsmäßige Einheit der deutschen Community und ihre eindringlichen Forderungen nach Rehabilitation des deutschen Volkes in  Russland durchführt wurde.

Alle unseren vom Obersten Gericht der RF liquidierten gesellschaftlichen Organisationen wurden seinerzeit gegründet, registriert und ins staatliche Register juristischer Personen eingetragen. Zur gesetzlich vorgeschriebenen Zeit legten sie dem Justizministerium Russlands Rechenschaftsberichte über ihre Tätigkeit vor. In den letzten Jahren wurde die Tätigkeit der gesellschaftlichen Organisationen in Russland so überreguliert, dass dadurch große Probleme für ihre Aktivitäten entstanden waren. Dies kam besonders deutlich nach der Verabschiedung des Gesetzes über die Auslandsagenten zum Ausdruck. So wurden gesellschaftliche Organisationen verpflichtet, dem Justizministerium Russlands Rechenschaftsberichte über die eingegangenen ausländischen Geldmittel und deren praktische Verwendung selbst dann vorzulegen, wenn sie bei den Organisationen gar nicht erst eingegangen waren. Das alles sowie alle möglichen Prüfungen seitens des Justizministeriums Russlands sowie die unausweichliche Berichterstattung gegenüber diesem Ministerium zwangen uns, eine neue Organisation ohne Bildung einer juristischen Person zu gründen. Denn eine juristische Person wird für die Verwaltungs- und Wirtschaftstätigkeit, das Management der Aktivbestände, die Projektführung benötigt, die mit der Finanzierung und Buchhaltungsabrechnung verbunden sind.

Der Internationale Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen wurde im Juni 2014 ohne Bildung einer juristischen Person gegründet und trat an die Stelle des vom Obersten Gericht der RF im Mai desselben Jahres liquidierten ähnlichen Verbandes.

Unser Internationaler Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen führt keine Verwaltungs- und Wirtschaftstätigkeit durch; auch Projektführung ist ausgeschlossen, die den Finanzmitteleinsatz voraussetzt.  Es muss allerdings in Rechnung gestellt werden, dass gemäß Art. 27 des Föderalen Gesetzes von 1995 «Über gesellschaftliche Vereinigungen» dem Internationalen Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen mit wenigen Ausnahmen praktisch die gleichen Rechte zustehen, wie jeder anderen gesellschaftlichen Vereinigung, die als eine juristische Person auftritt.

Unser Verband hat ein umfängliches Recht:

  • Informationen über seine Aktivitäten frei zu verbreiten;
  • Versammlungen, Meetings und Demonstrationen, Umzüge durchzuführen und Posten zu stellen;
  • Seine Rechte und legitimen Interessen seiner Mitglieder und Teilnehmer bei den Staatsmachtorganen, Organen der örtlichen Selbstverwaltung und gesellschaftlichen Vereinigungen zu vertreten und wahrzunehmen;
  • Andere Befugnisse auszuüben, sofern auf diese Befugnisse in den Föderalen Gesetzen über die einzelnen Arten der gesellschaftlichen Vereinigungen ein direkter Bezug genommen wird;
  • Anregungen machen in den Angelegenheiten zu machen, die mit der Erreichung ihrer Satzungsziele zu tun haben, den Staatsmachtorganen und Organen der örtlichen Selbstverwaltung Vorschläge zu unterbreiten.

Die obengenannten Rechte und Befugnisse des Internationale Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen reichen vollkommen aus, um die grundlegenden Bestimmungen seiner Satzung in die Tat umzusetzen.

Leider ist unter den russischen und deutschen Staatsbediensteten immer noch die Meinung anzutreffen, dass man sich über den Internationalen Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen, die keine juristische Person ist, mühelos hinwegsetzen kann. Dies macht uns jedoch nicht sonderlich traurig. Der Verband entwickelt seine Aktivitäten planmäßig.

Nach der Liquidation der oben genannten Organisationen auf Beschluss des Obersten Gerichtes der RF wurde uns klar, dass die Staatsbediensteten von einer gerechten Rehabilitation unseres Volkes gar nichts hören wollen. Schon Anfang der 90er Jahre haben sie stillschweigend beschlossen, die Lösung dieses Problems so umzuwandeln, dass den Russlanddeutschen soziale Vergünstigungen gewährt werden, die Opfer und politisch Repressierte in Anspruch nehmen. Dies lässt sich sehr einfach erklären. Wenn Russlanddeutsche diese sozialen Vergünstigungen nun mal in Anspruch nehmen, so hat dies zu bedeuten, dass sie und ihr Volk rehabilitiert sind.

Seit 2014 vertritt der Internationale Verband der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen einе härtere Position. Wir haben in aller Öffentlichkeit erklärt und alle offiziellen staatlichen Behörden in Russland und Deutschland darüber informiert, dass wir auf einer rechtmäßigen und gerechten Lösung in Sachen der Rehabilitation unseres Volkes bestehen. Die Schwerpunkte dieser Forderungen lassen sich wie folgt zum Ausdruck bringen:

  • Entweder gibt die Regierung der RF in aller Öffentlichkeit die Umsetzung des Gesetzes der RSFSR von 1991 «Über die Rehabilitation der repressierten Völker» bezüglich der Russlanddeutschen in Übereinstimmung mit dem Russisch-Deutschen Abkommen (Beschluss der Regierung Russlands vom 09. Juli 1992, Nr. 475; Protokoll vom 10. Juli 1992) unter Angabe konkreter Fristen zu seiner Umsetzung bekannt;
  • oder die Regierung der RF verweigert dem russlanddeutschen Volk seine rechtmäßige Rehabilitation nachweislich und erklärt dies in aller Öffentlichkeit.

Im Rahmen des ersten Szenarios wird ein gesamtnationaler Kongress des russlanddeutschen Volkes bei allseitiger Unterstützung und unter Beteiligung der Staatsmachtorgane unbedingt vorbereitet und durchgeführt. Auf dem Kongress wird ein bevollmächtigtes Vertretungsorgan  des Volkes gewählt, dessen Beschlüsse in Russland anerkannt werden.

Im Rahmen des zweiten Szenarios ziehen umzugswillige Russlanddeutsche je nach Möglichkeit in die Bundesrepublik um, während die in Russland zurückgebliebenen Russlanddeutsche volens nolens gezwungen werden, sich endgültig assimilieren zu lassen. Damit könnte die mehr als 250jährige Geschichte der Russlanddeutschen in Russland ihr Ende finden.

Das sogenannte 2012 aufgezwungene und auf Initiative der russischen sowie deutschen Staatsbediensteten in Russland aufgebaute und dem selben Verräter Martens übergebene System der gesellschaftlichen Selbstorganisation der Russlanddeutschen kann von seiner rechtlichen Stellung her überhaupt keinen Anspruch erheben, Interessen des ganzen russlanddeutschen Volkes wahrzunehmen. Interessen eines Volkes können nur von einem legitimen, auf einem gesamtnationalen Kongress gewählten Vertretungsorgan vertreten werden.

Die Russisch-Deutsche Regierungskommission über die Angelegenheiten der Russlanddeutschen ist seit ihrer Gründung ihrer Zweckbestimmung stillschweigend ausgewichen. Mit der Zeit verwandelte sie sich in eine Struktur zur Abstimmung zwischenstaatlicher Projekte, mit deren Umsetzung die Lösung des Rehabilitationsproblems unseres Volkes kein bisschen näher rückte. Aus dieser Kommission wurden alle Vertreter unserer Öffentlichkeit ausgeschlossen, die sich negative Äußerungen über die Tätigkeit der Kommission jemals erlaubt haben.  Ihr unabsetzbares Mitglied bleibt der allerseits beamtenfreundliche Verräter  G. Martens, der nicht müde wird, laufend Privilegien einzustreichen. Kommissionsmitglieder lassen sich von seinen siegestrunkenen Mitteilungen über die Erschließung der deutschen Budgetgelder, insbesondere über die  theatralisierten Katharinen-Bälle in Moskau Zarizyno, zahllose gesellschaftliche Foren innerhalb der Selbstorganisation der Russlanddeutschen blenden. Das wäre die Erklärung dafür, dass G. Martens, der in keiner Beziehung zum deutschen Volk steht, in allen föderalen Behörden Achtungspositionen einnimmt, inkl. der Mitgliedschaft im Präsidium des Rates für zwischenstaatliche Beziehungen beim Präsidenten der RF. Alle unsere begründeten Appelle an die russische Staatsführung, G. Martens aus dem obengenannten Rat auszuschließen, weil er den Russlanddeutschen kein Vertrauen einflößt, fanden keinen Anklang. Im Gegenteil, seine persönliche gesellschaftliche und soziale Stellung wurde gefestigt. Solche Personen können russische Staatsbedienstete in allen gesellschaftlichen Räten als Kleindarsteller gut gebrauchen. Dadurch soll der Eindruck entstehen, dass die von den Staatsbediensteten gefassten Beschlüsse mit der Zivilgesellschaft abgesprochen werden.

Es muss grundsätzlich hervorgehoben werden, dass G. Martens ab Entstehung der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen und bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt von seiner Natur her ein Verräter ist. Er war bei seinem Handeln stets auf den eigenen Vorteil bedacht und ging gegen jenen Teil der gesellschaftlichen Bewegung vor, der eine gerechte Rehabilitation unseres Volkes verlangt hatte.  Ausgehend davon und seine psychische Stabilität bezweifelnd, wollen wir in keine Geschäfte einsteigen, an denen er bereits teilnimmt oder künftig teilnehmen will.

Wir sind der Meinung, dass deutsche Fördergelder heutzutage nur für den Unterhalt der Selbstorganisation der Russlanddeutschen ausgegeben werden. Dort wird eine Liste von weitestgehend günstigen, einfachen und schnell umsetzbaren, jedoch teuren Projekten zusammengestellt, die im Rahmen des Programms des deutschen Ministeriums des Inneren finanziell abgesichert werden. So bildet sich ein unendlicher Reigen von Seminaren, Kreativ-Workshops, Foren, Akademien, Fußballspielen etc., an denen immer die gleichen Akteure teilnehmen. Es sind hauptsächlich Geschäftsführer der Organisationen, die der Selbstorganisation der Russlanddeutschen angehören.  Aber nützt das alles den Russlanddeutschen heute?  Ohne Aufbau und die staatliche Unterstützung der kulturellen Bildungsinfrastruktur in Russland wird es unserem Volk nicht gelingen, seine nationale Identität zu erhalten. In dieser Richtung wird allerdings nichts auf die Beine gestellt. Denn dies ist kompliziert und soll beharrlich in den Fokus gerückt werden. Es ist einfacher, irgendein teures Forum zu veranstalten, von dem Russlanddeutsche gar nichts haben, einen finanziellen Rechenschaftsbericht vorzulegen und auf einer Sitzung der Regierungskommission darüber zu berichten, dass im Laufe eines Jahres in Russland beispielsweise 4200 Projekte in 65 Regionen umgesetzt wurden. Die Zahlen sind beeindruckend, aber was nützt das alles?

Wir sind sehr darüber erstaunt, dass Deutschland einseitig Fördergelder an Russlanddeutsche programmatisch auszahlt, während Russland schon 2013 davon Abstand genommen hat. Dies ist widernatürlich. Russlanddeutsche sind russische Staatsbürger und es ist in erster Linie Russland, das sich um sie kümmern soll. Das Risiko der deutschen Fördergelder besteht darin, dass unser Volk unter bestimmten Umständen zum wiederholten Mal als «fünfte Kolonne» in Russland mit entsprechenden Konsequenzen abgestempelt werden kann. Gemäß russischer Gesetzgebung über die Auslandsagenten sind gesellschaftliche Organisationen, die Finanzmittel von fremden Staaten erhalten, der Auslandsagentengruppe zuzuordnen, wobei sie in das entsprechende staatliche Register eingetragen und verpflichtet werden, dem Justizministerium Rechenschaft über den Einsatz der bei ihnen eingegangenen Finanzmittel abzulegen. Einer solchen Auslandsagentengruppe müsste die Martenssche Assoziation «Internationaler Verband der deutschen Kultur», auf deren Konten deutsche Fördergelder im Rahmen des Programms des deutschen Ministeriums des Inneren überwiesen werden, eigentlich zugeordnet werden. Jedoch wurde dieser Assoziation der Rang eines Auslandsagenten nicht vergeben, weil die Russisch-Deutsche Regierungskommission einfach so entschieden hat. Dies widerspricht aber dem verabschiedeten Gesetz. In diesem Fall ist der Beschluss der Regierungskommission gesetzwidrig. Welche Garantien haben heutzutage Russlanddeutsche dafür, dass sie nicht wieder als «fünfte Kolonne» abgestempelt werden? Dies haben Russlanddeutsche in ihrer Geschichte schon mehrmals erlebt. Haben denn russische Staatsbedienstete ihr volles Vertrauen gegenüber G. Martens?  Warum wurde denn G. Martens Herr Serebrjakow als Assistent in Begleitung einer aus den FSB-Mitarbeitern bestehenden Gruppe zugeteilt? In der Tat, wie kann man jemand vertrauen, der einst Verrat begangen hat und der in den Augen der Russlanddeutschen ein Verräter ist? Und Gehälter werden dieser Aufsicht führenden Gruppe auch aus den Mitteln gezahlt, die von der Bundesrepublik den Russlanddeutschen im Rahmen des Programms des deutschen Ministeriums des Inneren bereitgestellt werden?

Die langjährigen Erfahrungen der gesellschaftlichen Aktivitäten in Sachen Rehabilitation des russlanddeutschen Volkes in Russland haben anschaulich gezeigt, dass Geschäftsführer der gesellschaftlichen Organisationen in Kasachstan und Kyrgystan von der Unterstützung unserer Position in dieser auch für die dort ansässigen Deutschen entscheidenden Hauptfrage absichtlich Abstand nehmen. Dies geschah tatsächlich, als А. Dederer und V. Dil 2013 die Teilnahme an der Tätigkeit unseres Internationalen Verbandes verweigert haben. Möglicherweise haben sie sich in dieser Frage von den deutschen Staatsbediensteten beraten lassen und mit ihnen separat verhandelt. Wir, Russlanddeutsche, die gegenwärtig in den Staaten leben, die früher Sowjet-Republiken waren, sind ein Volk mit russischen Wurzeln. Ausgehend davon müssten wir eine gemeinsame Aufgabe haben, die darin besteht, die Rehabilitation des deutschen Volkes in Russland durchzusetzen. Warum führen sie sich so auf? Vermutlich werden sie mit den Problemen bei der Zuteilung deutscher Fördergelder konfrontiert, sofern wir von ihnen unterstützt werden. Mit diesem Instrument weiß das deutsche Ministerium des Innern bestens umzugehen.

Es ist anzunehmen, dass sie sich durch die fünf Jahre dauernde Zusammenarbeit mit uns bedrückt fühlten, während sie von deutschen Staatsbediensteten eindringlich aufgefordert wurden, uns den Rücken zu kehren. Vielleicht hat G. Martens sie für eine neue, pragmatischere und bessere Methode, deutscher Fördergelder habhaft zu werden, begeistert? Jedenfalls wäre es schwierig, unter diesen Umständen und mit solchen unzuverlässigen Partnern im Rücken irgendwelche gemeinsamen Aktivitäten perspektivisch zu planen und gesteckte Ziele zu erreichen.

Wir sind nicht der Meinung, dass uns im Rahmen der Zusammenarbeit auf der Grundlage des Memorandums Schonarbeit bevorsteht. Wir möchten die Fehler vermeiden, die oft im gesellschaftlichen Milieu vorkommen. Aus unserer Sicht wäre es zweckmäßig, einen bewährten Schutz vor solchen Fehlern anzuwenden. Es ist kollegiale Besprechung und Beschlussfassung. Dazu gehört auch die Einschätzung diverser Anregungen, die in den Vertretungsorganen unserer durch das Memorandum vereinten Organisationen erörtert werden sollen. Wir nehmen an, dass der rechtzeitige Austausch von Informationen und Absichtserklärungen sowie vertrauensvolle Beziehungen zwischen unseren Organisationen zum Erfolg unserer gemeinschaftlichen Sache beitragen werden.

Abschließend halten wir es für angebracht, Zitate einiger renommierten Politiker der Vergangenheit anzubringen, die Probleme der Völker, darunter auch die des russlanddeutschen Volkes, betreffen.

«Ein Volk, das vom Willen einer Person abhängig ist, kann sich nicht erhalten, und ist dessen auch nicht wert». (Richard Brinsley Sheridan.1750 – 1816, Jurist, Politiker, Dramendichter).

«Ein Volk ohne nationales Selbstbewusstsein ist ein Misthaufen, auf dem andere Völker gedeihen». ( P. А. Stolypin.1862-1911, Staatsmann des Russischen Reichs).

Wir bitten, diese Informationen verständnisvoll aufzunehmen.

Hochachtungsvoll,
Präsident des Internationalen Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen der Russlanddeutschen
Dr. V. Baumgertner
15 Februar 2019






One Comment to AN VOLKSRAT DER RUSSLNANDDEUTSCHEN IN DEUTSCHLAND

  1. Rudolf Gutjahr sagt:

    Eine Frage. Wie einen Schrei! Warum ? Wie konnte es sein: aus eine Familie sind 3 Personen als deutsche anerkannt worden und zwei nicht?! Kann jemand sagen: wer sind dann die andere in der gleiche Familie? Klar das geht um Entscheidung nach dem Sprachtests im Jahren 1996-97.
    welche Schritte braucht man um diese dahmalige Ungerechtigkeit zu ändern? Sollen wir eine Sammelklage ercheben ?

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